Quelle: info.kopp-verlag.de  veröffentlicht 29/7/2015 von Andreas von Rétyi

Eine neue Studie bestätigt die Gefährlichkeit von Mikrowellenstrahlung für den Organismus. Wissenschaftler sind überzeugt von negativen Auswirkungen auf den Stoffwechsel. Die Folge: neurodegenerative Erkrankungen und sogar Krebs. Und so raten die Forscher zu einem vorsichtigen Umgang mit Mobiltelefonen und WLAN.

Der Verdacht ist schon alt, doch gerade in den letzten Jahren scheint die Öffentlichkeit gegenüber gesundheitlichen Einflüssen durch drahtlose Kommunikation wieder etwas gleichgültiger geworden zu sein. Alles halb so wild, so ist häufig zu hören, da gebe es nur ein paar alte Studien, die auf falschen Annahmen beruhten. Und bewiesen sei überhaupt nichts.

Fast scheint bei dieser Einstellung auch ein wenig Fatalismus oder Selbstbeschwichtigung mitzuschwingen, denn schließlich sind wir mittlerweile fast überall von Mikrowellen und WIFI-Geräten umgeben. Sowieso will eigentlich niemand plötzlich darauf verzichten müssen, manche Menschen können das aus beruflichen Gründen auch überhaupt nicht mehr.

Aber, lässt sich das Thema wirklich so schnell zu den Akten legen, wie erklärte Freunde dieser Technologie sich das gerne wünschten? Genau wegen der Omnipräsenz dieser Strahlung ist eher schon das glatte Gegenteil der Fall. In den vergangenen Jahrzehnten wurde die Untersuchung biologischer Effekte nicht-ionisierender Strahlung, zu der eben auch Mikro- und Radiowellen zählen, zwar wesentlich vorangetrieben. Doch gerade, wenn es um die gesundheitlichen Gefahren drahtloser Kommunikation geht, wurde und wird immer wieder abgewiegelt.

 

Jetzt ist im Fachblatt Electromagnetic Biology & Medicineein Beitrag erschienen, der sich genau mit jener Frage beschäftigt und die alten Warnungen nur bestätigen kann. Darüber hinaus sind die beteiligten Mediziner überzeugt, herausgefunden zu haben, wie die Mobilfunkstrahlung im Organismus wirkt.

 

Die Forschergruppe um Igor Yakymenko vom Kiewer Institut für experimentelle Pathologie, Onkokologie und Radiobiologie bekräftigt in ihrer neuen Veröffentlichung nicht nur die grundsätzlichen Bedenken, sondern bereits eigene frühere Untersuchungen. Schon im vergangenen Jahr warnten die Forscher vor einem Ungleichgewicht zwischen der Produktion Reaktiver Sauerstoffspezies (Reactive Oxygen Species, ROS), zu denen auch Radikale zählen, und den antioxidativen Verteidigungsressourcen des Körpers.

 

Dieses Ungleichgewicht wird den Ergebnissen zufolge durch Mobilfunkstrahlung ausgelöst – eine neue Belastung für den menschlichen Organismus. Dabei kommt es zum oxidativen Stress, bei dem ein ROS-Überschuss gebildet wird, gegen den Körperzellen und ihre Antioxidantien nicht mehr ankommen.

 

Die Entgiftung ist nicht mehr gewährleistet, ROS oxidieren Proteine und Lipide, der Stoffwechsel gerät aus der Balance. Ende März 2014 berichteten die Kiewer Forscher über»Mikrowellenstrahlung niedriger Intensität: ein neues Oxidationsmittel für lebende Zellen«.

 

Für ihre Schlussfolgerungen zogen sie 80 Studien zurate, von denen immer 92,5 Prozent die entsprechenden gesundheitlichen Auswirkungen nachgewiesen hätten. Das bedeutet: Lediglich vier Studien konnten keinen Einfluss feststellen. Die betreffende Strahlung von Mobilfunk-Endgeräten könne »zu mutagenen Wirkungen durch deutliche oxidative DNA-Schädigungen führen«, so die Forscher. Denn die Mikrowellen sorgten für eine ROS-Überproduktion in lebenden Zellen. Damit öffne sich ein weites Krankheitsspektrum bis hin zu Krebs.

Abgesehen von vereinzelten, weit früheren Forschungsergebnissen der 1970er-Jahre, die unter anderem negative Auswirkungen von Mikrowellen auf Lymphozyten und das lymphozytische System bei verschiedenen Säugern nachweisen, wurden bald auch einige offizielle Berichte erstellt. So listete das Institut für Strahlenhygiene des Deutschen Bundesgesundheitsamtes im Jahr 1980 auf Grundlage von 16 Studien eine ganze Reihe von gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Schädigungen durch Mikrowellenstrahlung auf, darunter Aktivitätsänderungen von Enzymen, Auswirkungen auf Blut und Zellwachstum, Einfluss auf Hirnfunktionen sowie Chromosomenveränderungen, um nur einige Punkte zu nennen. 2011 stufte die International Agency for Research on Cancer die entsprechenden Strahlungsfrequenzen als mögliche Krebserzeuger bei Menschen ein. Welche molekularen Mechanismen dafür aber verantwortlich sein sollten, blieb unklar.

 

Hier konnte die Gruppe um Yakymenko ansetzen und klassische biochemische Vorgänge nennen, die von Mobilfunkstrahlung beeinflusst werden. Anders ausgedrückt, zeigen sie auf, dass schon lange bekannte biologische Mechanismen verantwortlich sind, und bestätigen in ihrer neuen Arbeit vom Juli 2015 klar ihre bisherigen Erkenntnisse. Aktuell greifen sie auf 100 verfügbare Studien zurück, die sich mit gesundheitlichen Negativwirkungen von WIFI-Strahlung befassen und den üblichen wissenschaftlichen Prüfungsprozess durchlaufen haben.

 

 

Aus 93 dieser Untersuchungen gehe stets hervor, dass unsere drahtlose Technologie den Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht bringt, wobei die Störungen auf Zellebene sich später in Gestalt schwerer systemischer Krankheiten äußern. So kann die »Handy-Strahlung« laut Yakymenko anhaltende Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Hautreizungen auslösen, aber auch degenerative Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson hervorrufen und zudem die Ursache von Krebserkrankungen bilden.

 

Aus diesen triftigen Gründen rät Yakymenko dringend dazu, Handys und WLAN äußerst vorsichtig zu nutzen und möglichst weitgehend auf kabellose Kommunikationsmittel zu verzichten. Dem alten Schnurtelefon ist in jedem Fall der Vorzug zu geben.

 

Was kann man sonst tun, um den negativen Einfluss zu mindern? Einige Ernährungsberater empfehlen eine zusätzlich verstärkte Zufuhr von Antioxidantien, beispielsweise durch obst- und gemüsereiche Ernährung oder auch entsprechende Nahrungsergänzungsstoffe. Dort, wo es nicht unbedingt nötig ist, sollte man im Übrigen möglichst lieber die Finger von Handy & Co lassen, was natürlich gerade für das private Umfeld gilt.

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